CAPLAM / Beekeeping Initiative Malacatoya

english version
The beekeeping project was initiated with the goal of creating jobs in Malacatoya, Nicaragua. For ten families in the region, this project represents the first steps toward economic independence. They have the opportunity to participate in the formation of a beekeeping business that should be solvent within three years. The notion of beekeeping is ideal for the people in the region of Malacatoya where most of the habitants are settled informally and do not possess properties. Only small pieces of land are necessary to produce honey. Casa de los Tres Mundos Foundation already withdrew from the project. The honey products are offered in different markets locally and around Granada.


The rural beekeepers in Malacatoya, Nicaragua, 2002.
(extended) german version
2002 wurde in Los Angeles das Beschäftigungsprojekt gestartet. Dieses Projekt ist ein Schritt in die wirtschaftliche Selbständigkeit, denn ein großer Teil der Familien in Los Angeles / Malacatoya ist wirtschaftlich von Großgrundbesitzern abhängig. Die Anstellung ist saisonal abhängig und außerhalb der Melonen- und Reisernten (d.h. 6 bis 8 Monate im Jahr) gibt es keine Beschäftigung. Zehn Familien aus der Comunidad “Los Angeles / Malacatoya” nahmen in den letzten Jahren an einem umfassenden Ausbildungsprogramm unter der Leitung von Sergio Rueda Lopez teil.


Die Gruppe der Imker von Malacatoya, Nicaragua im Jahr 2002.

 

Das Imkereiprojekt in Los Angeles / Malacatoya verfolgt im Wesentlichen folgende vier Ziele

  1. Aufbau eines Imkereibetriebes in der Region Malacatoya (Beschäftigung)
  2. Gründung eines Kleinunternehmens auf Basis einer Kooperative (Betrieb und Vertrieb)
  3. Aufbau zu einer (über-) regionalen Marke (Vermarktungskonzept)
  4. Aufbau bis zur Kreditwürdigkeit und Ausstieg der Stiftung “Casa de los Tres Mundos”

Die Mitarbeiter der Stiftung „Casa de los Tres Mundos“ waren über einen Zeitraum von drei Jahren Berater in wirtschaftlicher und technischer Hinsicht. Sie vermittelten und koordinierten technisches Know – How zum Aufbau einer völlig neuen Berufsgruppe in Malacatoya. Die Produkte aus der Honigproduktion werden seit 2003 im Eingangsbereich der „Casa de los Tres Mundos“ in Granada verkauft.

Dieser Beitrag soll die Methodik und die Ziele dieses Projekts sowie einige Verbesserungsvorschläge für das Projekt darstellen. Zunächst aber wollen wir auf die Geschichte der Imkerei in Nicaragua eingehen.

Methodik

Die methodische Annäherung an das Imkereiprojekt entspricht den Grundsätzen des Basisprojektes „Integriertes Dorfentwicklungsprojekt Los Angeles / Malacatoya“.

Die Projektgrundsätze sind:

  • Ausführende sind ausschließlich die lokale Bevölkerung
  • Projektinitiatoren verstehen sich als Berater
  • volles Mitspracherecht aller Beteiligten (partizipativer Planungsprozess)
  • gemeinsame Suche nach ökonomischeren Varianten
  • keine Vollsubventionierung des Projektes
  • angemessener Eigenleistungsanteil (inkl. Ausschließungsgründe)
  • Erlernen von ökonomischen Grundkenntnissen sowie Vermarktung

Im Rahmen einer Umfrage im März 2002 wurde die Bevölkerung nach ihren Berufswünschen befragt. Folgende Berufe hatten die meisten Nennungen: Bäckerei, Ziegelherstellung, Schneider, Tischler und Imker. Im Rahmen der Befragungen stellte sich heraus, dass einige Dorfbewohner bereits im Bereich der Imkerei gearbeitet haben. Die Interessenten wurden zu Versammlungen eingeladen und gemeinsam wurden die Projektziele formuliert. Dies war der Beginn des Unternehmens CAPLAM (Centro Apicola Los Angeles Malacatoya).


Die erste Honig Ernte im Jahr 2002.

 

Zusammengefasst gab es folgenden Projektablauf

  1. Umfrage im Dorf
  2. Auffinden lokaler Potentiale (Multiplikatoren für die Ausbildung)
  3. Gemeinsame Erarbeitung von Umsetzungsstrategien
  4. Formulierung von Zielen unter Berücksichtigung einer Gesamtstrategie
  5. Sicherstellung finanzieller Unterstützung (Fundraising) und weiterführende finanzielle bzw. betriebswirtschaftliche Beratung
  6. Projektdurchführung
  7. Evaluierung

Die Hauptziele dieses Projektes werden im folgenden genauer beschrieben. Die Strategien zur Erfüllung der Ziele sind unmittelbar darunter angeführt.

Ziel I: Aufbau eines Imkereiprojektes in der Region Malacatoya

Zehn Familien aus der Comunidad „Los Angeles / Malacatoya“ nehmen an einer Imkereiausbildung teil. Die Stiftung „Casa de los Tres Mundos“ stellt anfangs jeder Familie einen Bienenstock und Schutzkleidung zur Verfügung. Der Umgang mit Bienen im Allgemeinen und mit den „afrikanisierten“ Bienen im Speziellen bedarf einer gewissen Technik und Schutzkleidung. Die erste Projektphase dient daher nur dem Kennenlernen der Bienen, ihrer Eigenschaften und dem Umgang mit diesen; erst die zweite und dritte Projektphase soll bereits konkrete Ergebnisse aus der Honigproduktion bringen.

Die Bienenkästen werden von den Familien unter fachlicher Anleitung selbst hergestellt. Der Projektverantwortliche in Los Angeles / Malacatoya Sergio Rueda Lopez ist ausgebildeter Tischler und Hobbyimker.

Die Familien werden zu professionellen Imkern aufgebaut und formieren sich zu einer Kooperative. Die Ausbildung zum Imker erfolgt vor Ort durch den Bienenexperten Sr. Dr. Maria Jose Borgen, einem granadiner Rechtsanwalt und Imker, der jahrelange Erfahrung in diesem Beruf vorweisen kann. Unterstützt wird Dr. Borgen von einem lokalen jungen Hobbyimker Sr. Rueda aus Malacatoya, der bereits vor dem Hurrican „Mitch“ eine kleine Imkerei hatte. Seine Bienen Population wurde damals völlig zerstört.

Ziel II: Gründung eines Kleinunternehmens auf Basis einer Kooperative / Strategie

Die Gründung einer Kooperative, die aus einem freiwilligen Zusammenschluss aller 10 Familien besteht, verbessert die Lebenssituation jedes einzelnen Mitglieds. Aufgaben, die alleine aus Kostengründen nicht zu bewältigen wären, sind in der Genossenschaft durch Arbeits- bzw. Kostenteilung möglich.

Kleinkredite werden im allgemeinen nur an Kooperativen und selten an Einzelpersonen vergeben. Innerhalb der „Comunidad Los Angeles / Malacatoya“ ist die Akzeptanz von Kooperativen laut einer Umfrage vom Februar 2002 sehr hoch. 98 % aller Bewohner von „Los Angeles / Malacatoya“ würden mit anderen Familien eine Kooperation eingehen.

Ziel III: Aufbau zu einer (über-) regionalen Marke (Vermarktungskonzept) / Strategie

Die Entwicklung einer „Corporate Identity“, d. h. einer Unternehmensidentität durch eine besondere Verpackung der Produkte, ist ein wichtiger Beitrag zum Unternehmenserfolg. Die Abhebung von den in Nicaragua üblichen Verkauf von Honig in 0,75 l „Flor de Caña” – Flaschen ohne Etikett trägt zu einer besseren Absatz des Honigs bei. Die Kunstwerkstätten der „Casa de los Tres Mundos“ stellen kunstvolle, zum Kauf auffordernde Etiketten her.

Der erzeugte Honig und andere Nebenprodukte der Imkerei (Wachs, ev. Kerzen, Pollen, etc.) werden zunächst im Eingangsbereich der „Casa de los Tres Mundos“ in Granada abgesetzt. Bereits vor dem Hurrican „Mitch“ wurde hier mit Erfolg Honig einer anderen Kooperative aus Granada verkauft. Bei Erhöhung der Produktion werden die Produkte auf den Märkten von Granada, Masaya und Managua abgesetzt bzw. eine Zusammenarbeit mit den lokalen Supermärkten angestrebt.

Ziel IV: Aufbau bis zur Kreditwürdigkeit und Ausstieg der CTM / Strategie

Die Stiftung „Casa de los Tres Mundos“ stellt ihre Zusammenarbeit für dieses Projekt nur für den Beginn zur Verfügung. Der Mitteleinsatz der „Casa de los Tres Mundos“ ist infrastrukturell, beratend und monetär. Die Zusammenarbeit mit den Imkern in Malacatoya soll nur so lange aufrechterhalten bleiben, bis die gebildete Kooperative Kreditwürdig ist und ihre eigenen wirtschaftlichen, selbständige Wege gehen kann. Nur ökonomisch rentable Kleinunternehmen bzw. Kleinunternehmer sind bei nationalen Banken kreditwürdig.


Mittagessen in Malacatoya mit Johannes Kranz, 2002.

A project funded by Pan y Arte Germany, Pan y Arte Austria and the Austrian Development Agency (ADA).