GRIES / rural-urban living

Gutachterverfahren // Stadtteilentwicklung Grieskirchen Süd / Leben am Ring.

Die stadträumliche Innenentwicklung war seit dem Ende des zweiten Weltkrieges kein wesentliches Thema in der städtebaulichen Geschichte der Stadtgemeinde Grieskirchen. Der Wohlstand der Stadt machte sich in Form von großzügigen Einfamilienhauswidmungen an den Siedlungsrändern breit. Das behutsame Erweitern des Stadtzentrums ist das zentrale Thema dieses Städtebaulichen Gutachterverfahrens. Die Nähe zu den urbanen Qualitäten der Inneren Stadt Grieskirchen und die Nähe zu den öffentlichen und infrastrukturellen Einrichtugnen sind die Basis für die Überlegungen des Projekts „Leben am Ring“.

Städtebauliche Grundidee

Die städtebauliche Entwicklung der Stadt Grieskirchen ist räumlich durch drei wesentliche Barrieren beeinflusst: Die Bahn, der Fluss und die Bundesstraße. An dem Zusammentreffen dieser drei Elemente befindet sich das Planungsgebiet mit einer Fläche von rd. 1,6 Hektar. Nördlich der Bahn findet sich vorwiegend der kompakte, historische und dicht bebaute Stadtkern von Grieskirchen, südlich der Bahn dominiert die offene Bauweise. Es besteht hier nun die Möglichkeit die Qualitäten an diesem wichtigen Punkt in Bezug auf die Umgebung neu zu ordnen.

Es sind zwei wesentliche Gestaltungselemente, die den Entwurf beeinflusst haben: die Vernetzung von Plätzen und Orten im historischen Kern mit dem Planungsgebiet, sowie die Verflechtung privaten und öffentlichen Nutzungen innerhalb des Planungsgebiets durch die Schaffung eines Rings. Grieskirchen verfügt über einen historisch gewachsenen, kompakten Stadtkern der durch die Abfolge von öffentlichen Plätzen gekennzeichnet ist. Die strukturelle Verwebung dieser Plätze mit dem Stadtkern ist durch die Schaffung einer urbanen Kante im Planungsgebiet gewährleitet.  Die fussläufige Verbindung als Ring soll das Gebiet mit der Umgebung verbinden und das Innere attraktiveren. Der Ring ist besetzt mit vier wesentlichen Themen (und Kanten): Erholung – Einbindung zum Wegenetz und Erholungsraum der Trattnach, Bildung – Einbindung der Volksschule ins Quartier, Urbanität – behutsame Stadterweiterung mit den Funktionen einer Stadt-der-Kurzen Wege bzw. Smart City, und Arbeiten – Schaffung von Arbeitsplätzen in den gewerblich genutzten Bürogebäuden.

Die gewählte Gebäudetypologie ist das Punkthaus als Vier bis Fünfspänner ausgebildet, in einem urbanen, räumlichen Zusammenhang gebracht, wo die unterschiedlichen Raumfunktionen ganz klar erlebbar werden. Ein Riegel zur Bundesstraße ermöglich die Schaffung von innerer Ruhe im Quartier.

Funktionelle Lösung

Die funktionelle Clusterung des Planungsgebiets erfolgt in drei Elemente: Ein urbaner Bereich als Anknüpfungspunkt an das Zentrum als logische Fortsetzung einer Platzsequenz, ein beruhigter ‚Wohn-Innenbereich innerhalb des Rings, sowie eines Gewerbe Riegels zur Bundesstraße als Schallschutz und gleichzeitig inneren Beruhigung des Lebensraums.

Die EG Zonen im Planungsgebiet sind einerseits als urbane Kante ausgebildet und können Geschäfte, Büros und öffentlichen Nutzungen im Sinne der geforderten Handels- und Dienstleitungsflächen bespielt werden. Ein wesentlich größerer Teil der EG Zonen innerhalb des Rings sind mit qualitativen Grün- und Erholungszonen ausgebildet. Darüber hinaus gibt es auch halböffentliche Gemeinschaftsräume, die in Form von Urban Gardening oder als attraktive Spielwiese genutzt werden können. Die autofreie, urbane Kante mündet bei der Friedhofgasse beginnend im Dienstleitungszentrum (Riegel-Haus bzw. Haus 10), welches als Attraktor und Frequenzbringer im südlichen Bereich wahrgenommen wird.

Das Quartier ist nach innen hin gänzlich autofrei, die Wege sind aber von den Anrainern befahrbar und ermöglichen den reibungslosen Anlieferungsverkehr z.B. zum Möbeltransport und erfüllen gleichzeitig die Funktion einer Feuerwehrzufahrt. Das Dienstleistungszentrum hat eine leistungsfähige Zufahrt von der Badstraße.

Die drei Tiefgaragen sind optimal am östlichen Rand des Planungsgebiets platziert, um eine kostengünstige Tiefgaragenlösung im hochwassersicheren Bereich zu ermöglichen. Die maximale Entfernung der Wohnungen zum Tiefgarageneingang ist 50 m.

Ein Gehwegenetz inklusive des rautenhaften Ringes ermöglicht die klare Abgrenzung zwischen privat und öffentlich. Die Einbindung der Volkschule in das urbane Geschehen ermöglicht eine lebhafte Frequenz von Schülern, Eltern welche Einkäufe im Gebiet erledigen wollen. Die urbane Kante ist strategisch innerhalb des Planungsgebiets entwickelt und ermöglicht eine klare Abgrenzung zum Autoverkehr in der Badstraße und schafft somit einen ruhigen Ort, der zum Verweilen einlädt und gleichzeitig durch die Nähe zu den leistungsfähigen Verkehrssystemen die dynamisch und aktive von den Bewohnern besetzt wird. Ein Stadt der kurzen Wege.

Grundsätzliche Entwurfsüberlegungen

Als Gebäudeform wurde überwiegend das Punkthaus als ideale Typologie für den Ort ausgewählt. Dies Typologie weist eine gewisse Robustheit auf, die eine Errichtung durch mehrere Bauträger oder in verschiedenen Bauphasen je nach Bedarf ermöglicht. Die Differenzierung und Akzentuierung der städtebaulichen Leitidee erfolgt durch die Höhendifferenzierung. Hochpunkte in der Umgebung werden als räumliche Referenzen gesehen, an denen sich charakteristische Landmarks im Quartier platzieren. Das Dienstleistungszentrum, bewusst als Lärmschild und Riegel ausgebildet, ermöglicht urbane Qualität im inneren Quartiersbereich. Die Akzentuierung des Riegels mit einer Erhöhung zum gelben 36 m hohen Wohnhochhaus ermöglicht eine städtebauliche Abschwächung dieses Fremdkörpers an der Bundesstraße. Die Stadt bekommt eine Fassade, ein neues Aushängeschild an der Bundesstraße wo durch Sichtbeziehungen ins Quartier Neugier und Spannung erzielt werden.

Grundkonzept der Energieversorgung

Das Quartier wird durch die Bäuerliche Bioenergie Fröling Grieskirchen GmBH & Co KG mit Fernwärme betrieben. Das lokale Fernwärmenetz, welches durch ein Biomassekraftwerk  und eine Biogasanlage betrieben wird liefern die nötige erneuerbare Energie mit einer Kapazität von 8000 bis 9000 kW. Derzeit werden Wohnhausprojekte der Neuen Heimat, ISG, Arev aber auch Industriebetriebe , Gewerbebetriebe, Schulen und Privatkunden mit dieser Energieform versorgt. Vorteile sind a. Platzsparend, b. kein Staub , Geruch, c. Wärmeversorgung 365 Tage, d. keine Servicekosten oder Reparaturkosten, e. Kein Kamin , keine Kosten für Rauchfangkehrer, f. Ansprechperson Fernwärme 24 Std vor Ort erreichbar, g. geringe Indexerhöhungen im Vergleich, h. Brennstoff regional und CO² neutra, i. auch Förderungen für Bauträger möglich, Stärkt die Kaufkraft in der Region.

Statistische Daten 

Grundstücksfläche:   15.963 m2
BGF Wohnen:   15.212 m² / BGF Büros  5.073 m² / BGF EG Geschäfte  2.868 m²
Bruttogeschossfläche total:  23.153 m2
Zahl der Wohnungen:   139 WE
Verbauungsgrad:  32% / Geschossflächenzahl  1,45

 
ARGE Urban Issues / superwien Architektur, Favoritenstraße 35/2, A-1040 Wien
Krebs/Mayr, 2012