SprawlBOX / fünfundzwanzig antworten

Peripherie im Spannungsfeld Stadt

„ … wir wollen untersuchen, was diese Stadt auszeichnet. Wollen ihre Eigenschaften, Eigenheiten, Besonderheiten und Widersprüchlichkeiten beleuchten und erfassen. Wer lebt und arbeitet hier, wer kauft hier ein, wer kommt auf Besuch und warum? Gibt es ein Stadtzentrum, welche Orte sind Treffpunkt sozialen Interagierens? Kann die vorhandene Architektur Auskunft über den Gemütszustand der Bevölkerung geben? Lassen sich großstädtische Versatzstücke vor Ort finden, oder sich diese dort hin verfrachten? Was unterscheidet die „Vorstadt“ von der ihr benachbarten „Großstadt“?“ aus dem Einladungstext zur Projekteinreichung von Leonart 2009.

Leonding / Linz, die Sprengung der Plattenbauten (youtube).


Lyulin, Vorstadt von Sofia / Foto by http://www.flickr.com/photos/radogado/

 
Wir wollen auf diese Fragestellungen eingehen und diese in einem soziologischurbanistischen Zusammenhang stellen. Peripherie und das damit einhergehende Phänomen der Zersiedelung (engl. Urban Sprawl) ist seit Jahrzehnten eines der wichtigsten Themen in der Stadtplanungs- und entwicklungsdiskussion. Der schonungslose Flächenverbrauch, die sozialen Ghettos, die hohen Kosten für Infrastruktur, oder der mangelnde öffentliche Verkehr, der überbordende individuelle Verkehr, etc. Das sind Themen, die den thematischen Hintergrund unseres Projekts „fünfundzwanzig antworten“ liefern.

„fünfundzwanzig antworten“

„fünfundzwanzig antworten“ ist die Auseinandersetzung mit zwei Vorstädten, die nicht unterschiedlicher sein können: Leonding und Ljulin in Bulgarien. Leonding ist die Peripherie von Linz, der Ort wo Bauträger und der Einzelhandel die räumliche Entwicklung der letzten 20 Jahre entscheidend bestimmten; die Plattenbausiedlung Ljulin wie andere „Satellitenstädte“ in den sechtziger und siebziger Jahre wurde im Zuge der kommunistischen „Industrialisierung“ und im Sinne der Planwirtschaft quasi über Nacht errichtet. In Leonding gibt es keine Plattenbauten und kein soziales Ghetto – die letzten Reste dieser Vergangenheit – die beiden Wohnblocks im Stile kommunistischer Plattenbauten – wurden mediengerecht gesprengt. In Leonding regieren jetzt das Einfamilienhaus, der mehrgeschossige Wohnbau und der Gewerbebau. Aber gibt es bei genauerer Betrachtung – trotz dieser städtebaulich so unterschiedlichen Siedlungsformen – dennoch mehr Gemeinsamkeiten dieser Orte als man denkt? Gibt es ein echtes Zentrum? Kann man die Ortsteile von Leonding abgrenzen? Wo ist das Ende der Stadt? War die Sprengung von Plattenbauten in der Suburbia von Linz die Lösung der Probleme der Peripherie oder haben etwa beide Städte ein Identitätsproblem?

Die Ausstellung „fünfundzwanzig antworten“ arbeitet mit diesen Fragestellungen und stellt die Problematik der Peripherstädte mit Texten, Fotos und Skizzen dar. Die Bevölkerung soll mit dem Thema sensibilisiert werden. Dabei wird auf die Aussagen der lokalen Bevölkerung zurückgegriffen, welche in Form von Interviews in beiden Städten im Vorfeld der Ausstellung eingeholt werden. Die „fünfundzwanzig antworten“ sind Statements aus beiden europäischen Städten, die dem Besucher eine Antwort auf die Frage geben, wie weit das Stadt-Land Gefälle das Alltagsleben der Bewohner von Peripheriestädten beeinflusst. „fünfundzwanzig antworten“ ist eine Bestandsaufnahme, erzählt von Betroffenen.

Realisierung

„fünfundzwanzig antworten“ ist eine multimediale Ausstellung zum Thema Peripherie und Stadt-Land-Gefälle, die das Alltagsleben der Bewohner zweier sehr unterschiedlicher Peripheriestädte vergleicht. Leonding und Ljulin als Peripheriestädte von Linz bzw. Sofia (Bulgarien). Mit Fotos, Texten, Skizzen und Fachbeiträgen wird die Problematik in einfacher, verständlicher Form dem Publikum präsentiert.

Im Juni 2009 werden Interviews über das Leben der Einwohner aus Leonding und Ljulin stattfinden. Die befragten Menschen kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Die Bevölkerung soll z.B. eine „Mindmap“ von Ihrem Lebensraum – also Leonding und Ljulin aufzeichnen, oder über ihre täglichen Wege zur Arbeit, zum Einkaufen, Freundebesuchen, etc. beschreiben. Aus diesen Interviews werden je Stadt 25 Statements in kurzen und prägnanten Statements gefiltert und plakativ „vor Ort“ auf (Plakat-)Klappständern präsentiert. Die Ständer werden in der unmittelbaren Nähe der Künstlercontainer des Projekts „leonart 09“ aufgestellt. Die Bevölkerung soll mit den scheinbar zusammenhanglosen „Statements“ auf die „SprawlBOX“ – unseren Ausstellungsraum aufmerksam gemacht werden.

Die „SprawlBOX“ ist ein „multimedialer“ Container, welcher als Ausstellungsfläche und Begegnungsstätte eingerichtet ist. Die „SprawlBOX“ verfügt über folgende Einrichtung: Auf zwei Projektionen werden in 5 sec. Abständen Bilder aus beiden Orten ablaufen. Zwischen den Bildern werden dieselben Statements und Mindmaps (=Handzeichnungen der Bevölkerung). Eine Innenwand (Längswand) wird mit als „Fotowand“ mit Bildern aus Leonding und Ljulin ausgestattet. Drei gelbe Bauhelme und gelbe Gummistiefel werden platziert, daneben gibt eine kurze Beschreibung des Projekts, eine fachliche (textliche) Einführung in das Thema, sowie die Biographien der Künstler.

Die „SprawlBOX“ ist mit einer Couch ausgestattet, die es dem Besucher die Verweilung in der BOX ermöglicht. Die „SprawlBOX“ wird von einer Seite mit einer bedruckten Plane umspannt und trägt Plattenbauten als Motiv. Somit ist die „SprawlBOX“ eindeutig mit der Präsentation in Verbindung gebracht.

Die „SprawlBOX“ ist ein Informationszentrum und steht mit den anderen Containern in Interaktion. Dieser Container soll auch als Veranstaltungsort für die Vernisageparty mit dem Bulgarisch-Linzer Künstler Toma Ivanov funktionieren. Im Anhang findet sich eine zeichnerische Darstellung der Ausstattung der „SprawlBOX“.

 
Ein Projekt für leonart 09
18.9. – 11.10.09 in Leonding 2009, Oberösterreich
Renata Behncke/Photographin/Buenos Aires
Peter Torniov/Architekt/Sofia
Roland Krebs/Stadtplaner/OÖ
März 2009

nicht realisiert.